Schleifendiuretika

Als Form harntreibender Substanzen verdanken Schleifendiuretika ihre Bezeichnung der sogenannten Henleschen Schleife. Die Henlesche Schleife stellt als organische Struktur das Wirkungszentrum von Schleifendiuretika dar und ist an der Harnbildung durch die Niere beteiligt. Die an der Henleschen Schleife ansetzenden Diuretika bilden gemeinsam mit den Thiaziddiuretika, den kaliumsparenden Diuretika sowie auf Pflanzen basierenden harntreibenden Wirkstoffen Untergruppen des Sammelbegriffes ‘Diuretika’.

Geschichte/ Entstehung/ Vertreter

Die zufällige wissenschaftliche Entdeckung von Schleifendiuretika kann auf das frühe 20. Jahrhundert datiert werden. Damals zeigte sich eine als Nebenwirkung auftretende entwässernde Wirkung von Quecksilberverbindungen, welche ursprünglich zu anderweitigen medizinischen Zwecken genutzt wurden. In der Folge fanden auf Quecksilberverbindungen basierende diuretische Substanzen trotz deren Toxizität (Giftigkeit) für viele Jahrzehnte in der Ödembehandlung Anwendung.
Heute angewandte Schleifendiuretika lassen sich vornehmlich in sogenannte Sulfonamidderivate (wie etwa die Wirkstoffe Piretanid, Bumetanid sowie Furosemid) und Nicht-Sulfonamidderivate unterteilen.

Wirkmechanismus

Schleifendiuretika wirken sich hemmend auf bestimmte, in den Nierenkanälchen (eine Untereinheit der menschlichen Niere) zu findende Transporteiweiße aus. Diese eingeschränkte Funktion entsprechender Eiweiße führt zu einer Beeinträchtigung des sogenannten osmotischen Druckes (eine wichtige regulierende Variable innerhalb des Wasserhaushaltes von Zellen) und in Folge zu einer erhöhten Flüssigkeitsausscheidung eines Organismus.

Nebenwirkungen von Schleifendiuretika

Schleifendiuretika wirken sich hemmend auf bestimmte, in den Nierenkanälchen zu findende Transporteiweiße aus.

Schleifendiuretika wirken sich hemmend auf bestimmte, in den Nierenkanälchen zu findende Transporteiweiße aus.

Neben ihrem erwünschten Wirkungsspektrum können an der Henleschen Schleife ansetzende Diuretika auch unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Daher erfolgen vor allem Langzeitbehandlungen meist unter regelmäßiger medizinischer Kontrolle. Führen Schleifendiuretika etwa zu einem durch starke Entwässerung entstehenden Blutverlust, kann sich dies in Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen und einer Kollapsanfälligkeit äußern. Auch der Harnsäurespiegel im Blut kann infolge der Diuretikagabe steigen und somit ein erhöhtes Risiko für Gichterkrankungen mit sich bringen. Dosenabhängig ist schließlich auch das Auftreten von Hörschäden möglich.

Wechselwirkungen

Da Schleifendiuretika im menschlichen Organismus unter anderem zu einem Absinken von Kalium- und Magnesiumspiegel führen, können sie die Wirkung ähnlich funktionierender Medikamente verstärken – zu nennen sind hier beispielsweise verschiedene Abführmittel oder Glykoside bzw. Wirkstoffe, die die Herzfrequenz eines Patienten anregen sollen.

Die Wirkungen anderer Arzneimittel (wie beispielsweise blutzuckersenkende Medikamente) bzw. Wirkstoffe (wie unter anderem Adrenalin zum Zweck der Blutdruckerhöhung) können durch eine Schleifendiuretikagabe auf unerwünschte Weise reduziert werden.

Indikation für Schleifendiuretika

Schleifendiuretika entfalten meist eine vergleichsweise starke Wirksamkeit. Daher ist hinsichtlich deren Dosierung im Rahmen eines medizinischen Einsatzes Vorsicht geboten.

Da eine Gabe von Schleifendiuretika eine ausgeprägte Kalziumausscheidung erzielt, eignen sich entsprechende Arzneimittel unter anderem zur Therapie vorliegender Hyperkalzämien (ein krankhaft erhöhter Kalziumspiegel im Blut).

Auch verschiedenen Ödemen, die durch Insuffizienzen von Herz, Leber oder Niere hervorgerufen wurden, wird in der Medizin nicht selten durch Schleifendiuretika begegnet. Zu den weiteren möglichen Indikationen für den Einsatz der diuretischen Wirkstoffe zählen beispielsweise Vergiftungen, Hyperkaliämie (ein Kaliumüberschuss im Blut) sowie akutes Nierenversagen.